Erneuerbare Energien – ihr Potential und ihre Grenzen


Die gegenwärtige Debatte über die Zukunft unserer Energieversorgung angesichts der schwindenden fossilen Ressourcen und angesichts des Klimawandels ist von einer sehr unseriösen Überschätzung der erneuerbaren Energien geprägt. Man verwechselt oftmals „erneuerbar“ mit „unerschöpflich“ und bedenkt nicht, dass auch das Potential der verschiedenen Quellen erneuerbarer Energie begrenzt ist – vor allem, wenn man bedenkt, dass mittelfristig auch die dafür notwendige technische Ausstattung und deren regelmäßige Erneuerung sowie die gesamte Infrastruktur einschließlich Transport mittels erneuerbarer Energien bewerkstelligt werden muss. Derzeit profitieren die erneuerbaren Energien in dieser Hinsicht ja von den noch vorhandenen fossilen Energiequellen, in Zukunft werden sie sich aber selbst reproduzieren müssen, das heißt sich nicht nur als „machbar“, sondern als „lebensfähig“ erweisen müssen. Für uns bedeutet das, dass wir unseren heutigen Energiebedarf nicht einfach mittels erneuerbarer Quellen bereitstellen können, sondern dass wir insgesamt mit erheblich weniger Nettoenergie auskommen werden müssen. Deshalb dürfen wir der Frage nicht ausweichen, was dies für unser Industriesystem insgesamt und für unsere kapitalistische Wachstumsgesellschaft bedeutet. Wir warnen davor, den notwendigen ökologischen Wandel auf bloße technische Probleme zu reduzieren und dabei vor den unausweichlichen tiefgreifenden Veränderungen unserer gesamten Gesellschaft und Ökonomie die Augen zu verschließen.


Wir haben im Folgenden zur Unterstützung unserer Argumentation Zitate aus zwei sehr lesenswerten Büchern zusammengestellt. Es handelt sich um: Richard Heinberg, The Party is Over. Das Ende der Ölvorräte und die Zukunft der industrialisierten Welt, München 2004 (RH.), und James Howard Kunstler, The Long Emergeny Surviving the End of Oil, Climate Change, and Other Converging Catastrophes of the Twenty-First century, New York 2005 (J.H.K.).



Windkraft


„Von allen regenerativen Energien entwickelt sich im globalen Maßstab die Windkraft am schnellsten Die weltweit installierte Windstromkapazität betrug im Jahr 2002 bereits fast 30 Gigawatt, während die gesamte globale Stromerzeugungskapazität gegenwärtig etwa 3000 Gigawatt beträgt (d.h., etwa 1% der Elektrizität wird weltweit durch Windkraft gewonnen; B.K.). ... Die heute gebräuchlichen Turbinen haben Kapazitäten zwischen zwei und drei Megawatt ... Wieviel Energie könnte die Windkraft liefern? Theoretisch eine ganze Menge. Ein guter Anhaltspunkt ist eine Studie ... aus dem Jahr 1993, aus der hervorgeht, dass man mit Windkraft in den Vereinigten Staaten ungefähr 16 Billiarden Kilojoule pro Jahr produzieren könnte Da die neueren Turbinen unter sehr viel unterschiedlicheren Windbedingungen betrieben werden können, könnte deren Potential inzwischen sogar bei etwa 63 Billiarden kJ liegen Der Gesamtenergieverbrauch der Vereinigten Staaten liegt bei etwa 105 Billiarden kJ. Jedoch wird die Umsetzung dieses Potentials riesige Investitionen und ein starkes Engagement von Seiten der politisch Verantwortlichen erfordern. Man wird dabei nicht nur in Windkraftanlagen selbst investieren müssen, sondern auch in neue Stromübertragungsnetze. Eine kalifornische Untersuchung aus dem Jahr 1991 ergab, dass sich in diesem Bundesstaat bei der derzeitigen Stromleitungs-Infrastrukur nur 12 Prozent des technisch möglichen Bruttopotentials der Windkraft nutzbar machen ließe ...Gegenwärtig ist der EROEI (das heißt energy return on energy invested, also Energiegewinnrate pro investierter Energieeinheit; BK) der Windkraft der beste von allen erneuerbaren Energieformen und konnte sich sogar noch weiter erhöhen. Während Odum eine Zahl von mehr als 2 angibt, hält eine dänische Studie eine Energie-Amortisationszeit von nur zwei bis drei Monaten für möglich, was einem EROEI von 50 oder mehr entspräche ... Windkraft kann also durchaus Nettoenergie liefern; Aufgabe der Industriegesellschaften muss es nun sein, die Produktion schnell genug auszuweiten, um damit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Misere abzuwenden, die sonst dem unvermeidlichen Rückgang der Öl- und Erdgasvorkommen folgen wird. Wollte man in den Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2030 19 Billiarden kJ Windstrom jährlich erzeugen ..., müsste man bis dahin etwa eine halbe Million dem neuesten Stand der Technik entsprechende Windkraftanlagen aufstellen. Von heute an wären dies fast 20.000 im Jahr. Das ist fünfmal so viel wie die gegenwärtige weltweite Produktionskapazität für Windturbinen. Man könnte diese gewaltige Aufgabe vielleicht sogar bewältigen, aber dies würde eine beträchtliche Umschichtung der ökonomischen Ressourcen bedeuten. In der Zwischenzeit müsste die meiste Energie, die für diese Aufgabe benötigt wird, von den schwindenden fossilen Brennstoffen kommen. Betrachtet man nun aber diese Energieinvestition, die man für den Bau all der Windturbinen und andere für den Übergang auf erneuerbare Energien notwendige Infrastrukturmaßnahmen braucht, und bedenkt, dass gleichzeitig das Erdöl immer knapper wird, erkennt man, dass dann keine überschüssige Energie mehr zur Verfügung stünde, um den bisherigen Bedarf der Wirtschaft weiterhin decken zu können. Selbst wenn also die gegenwärtig politisch Verantwotlichen den politischen Willen hätten, einen solchen Wandel durchzuführen, stünde den Industriegesellschaften immer noch ein schmerzhafter Anpassungsprozess an ein System mit weit niedrigerem Energieverbrauch bevor. Diese ernüchternde Erkenntnis wird noch unterstrichen durch die Schwierigkeiten, denen man gegenübersteht, wenn man all die gegenwärtig vom Öl bestrittenen Aufgaben durch Windstrom ersetzen will. (Die Elektrizität ist) nicht sehr gut dafür geeignet, unseren gegenwärtigen Verkehr und unsere landwirtschaftliche Infrastruktur zu betreiben ...“ (R.H.)


„Wie schaffen wir die seltenen Erze, Chrom, Titan, von den wenigen Stätten ihres Vorkommens zu den Produktionsstätten, wo die Metalllegierungen hergestellt werden, um Windturbinen zu erzeugen? Und was benutzen wir, um die Hochöfen zu betreiben? Kohle? Kohle wird üblicherweise mit Hilfe von Maschinen gefördert, die Diesel verbrauchen.“ (J.H.K.)


Solarenergie


„Heute gibt es weltweit photovoltaische Anlagen mit einer Stromerzeugungskapazität von ungefähr 1 Gigawatt (im Vergleich zu einer Kapazität von etwa 3000 Gigawatt der konventionellen Kraftwerke). Der Umwandlungsgrad beträgt heute schon 30 Prozenmt, und die Kosten der Solarzellen, die anfangs astronomisch hoch waren, sind auf ein Hundertstel ihres ursprünglichen Preises gefallen ... Zwei technishe Verbesserungen der PV-Technologie, die sich gerade im Entwicklungsstadium befinden – Dünnschichtzellen und Farbsolarzellen -, scheinen besonders vielversprechend, was die Reduzierung der Kosten des PV-Stroms betrifft. Bisher war das größte Hindernis für die weitere Verbreitung dieser Technologie die Höhe der Produktionskosten. Die Herstellung selbst der einfachsten Halbleiterzellen muss unter exakt kontrollierten Bedingungen wie Hochvakuum und Temperaturen zwischen 400 und 1400 Grad Celsius erfolgen ... Gegenwärtig gibt es bereits drei Arten von Dünnschichtsolarzellen-Technologien: amorphes Silizium (a-Si), Kadmiumtellurid (CdTe) und Kupfer-Indium-Diselenin (CIS) Schon heute machen amorphe Siliziumzellen mehr als 15 Prozent der weltweiten PV-Produktion aus. Die amorphe Siliziumtechnologie ist besonders geeignet für in Gebäude integrierte PV-Systeme ..., jedoch ist ihr Wirkungsgrad sehr gering ... (Die kommerziellen Module bewegen sich) gegenwärtig in einer Spanne zwischen 5 und 7 Prozent. KadmiumtelluridAnlagen haben im Labor bereits 16 Prozent erreicht, während solche Module aus der normalen Produktion bisher nur über einen Wirkungsgrad von ungefähr 7 Prozent verfügen. Kupfer-Indium erzielte in der Forschung sogar eine Effizienz von 17,7 Prozent, eine Prototyp-Anlage danach 10,2 Prozent, aber Herstellungsprobleme haben bisher jede kommerzielle Nutzung verhindert. Zwischenzeitlich haben Wissenschafler der Ecole Polytechnique in Lausanne eine gänzlich neue Solarzelle entwickelt, die vielleicht einmal zur Grundlage der allerbilligsten PV-Technologie werden könnte. Der Produktionsprozess läuft bei niedrigen Temperaturen mit gewöhnlichen Materialien ab. Eine lichtempfindliche Farbe mit Eigenschaften, die die Ahänger dieser Technik als `künstliche Photosynthese` bezeichnen, wird auf einen Träger wie z.B. Glas aufgebracht. Die daraus entstehenden Zellen mit dem Namen Titania Dye Sensitized Cells (Titania DSC) können dann für farbige opake oder durchsichtige Module verwendet werden, die man möglicherweise in die Wände von Gebäuden oder die Sonnendächer von Autos integrieren kann. Titania DS-Zellen funktionieren auch bei schwächerem Licht und höheren Temperaturen, als sie für die normalen Siliziumzellen geeignet wären. Allerdings haben Titania-DS-Zellen gegenwärtig erst einen Wirkunsgrad von 10 Prozent, und ihre kommerzielle Nutzung steckt noch in den Anfängen ... Die Ineffizienz einer Solarzelle ist nicht weiter wichtig, wenn man sie auch an Stellen nutzen könnte, an denen sonst nur Teerpappe, eine Sperrholzplatte oder Glas verwendet würden. Die Nettoenergie-Berechnungen der photovoltaischen Anlage sind oft ziemlich umstritten. Sicherlich können konventionelle Siliziumzellen bisher im Vergleich zu der für ihre Herstellung nötigen Energie nur einen geringeren späteren Ertrag aufweisen, obwohl die Anhänger dieser Technologie auch hier standhaft mit günstigen Zahlen werben (im Allgemeinen berücksichtigen sie bei ihren Berechnungen nicht die für den Transport und die Herstellung der Produktionsanlagen aufgewandte Energie) ... Auch wenn die pessimistischen Einschätzungen der Siliziumzellen stimmen sollten – manche gehen hier von einer augenblicklichen Nettogewinnrate von weniger als 1:1 aus -, steht doch zu erwarten, dass die neueren Dünnschicht- und DSC-Technologien einen bedeutend besseren EROEI erzielen werden ... Elektrizität lässt sich nur sehr schwer zum Betrieb unseres gegenwärtigen Verkehrssystems und zur Aufrechterhaltung unserer modernen Agrarinfrastruktur einsetzen Wir brauchen also ein effizientes Mittel zur Speicherung ...“ (R.H.)


„Ich bin nicht sicher, ob Elektrizitätserzeugung aus Sonnenenergie jenseits der günstigen Bedingungen einer fossilen Ökonomie weiterhin existieren kann. Wir wissen, wie wir aus Silikon, Plastik und Metall Photovoltaikanlagen herstellen können, und wir wissen, wie man Speicherbatterien aus Plastik und Blei herstellt; wir wissen auch, wie wir ... die technische Ausrüstung zur Regulierung der Speicher und des Stromflusses herstellen – aber werden wir all diese Dinge zukünftig ohne Öl, Gas oder Kohle erzeugen können? Vielleicht nicht. Es ist eine Menge Energie, viele Barrels Öl, erforderlich, um Batterien und Solaranlagen zu produzieren, und man benötigt eine Ausstattung mit hoch entwickelten Systemen – alle aus Metallen und Plastik – für die Massenfertigung und Standardisierung all dieser Komponenten. Ich bin nicht davon überzeugt, dass aktive Sonnenenergie mehr als ein Zwischenstopp auf dem Weg in den langen Notstand sein kann, der auf das fossile Zeitalter folgt ... Das komplette Batteriesystem muss alle zehn Jahre zum Preis von tausenden Dollars ausgewechselt werden, die Solarmodule selbst mögen eine etwas längere Lebenszeit haben als die Batterien, aber auch sie sind dem Zerstörungsprozess durch ultraviolette Strahlung sowie Wasser und Eis ausgesetzt ... Es gibt eine Reihe von weit verbreiteten irrtümlichen Ansichten der Art, dass erneuerbare Energiesysteme wie Solarenergie, Windenergie etc. ein frei verfügbarer Ersatz für unsere auf fossiler Energie beruhenden Systeme sind, dass sie emissionsfrei und völlig problemlos wären, dass die Erneuerbaren so etwas wie ein Perpetuum mobile darstellen, ein Geschenk der Sonne. Der laufende Betrieb einer Solaranlage ... verursacht selbst keine Verschmutzung, sehr wohl aber die Herstellung der dafür erforderlichen Komponenten. Die Batterien, Module, die Elektronik, die Drähte und die Plastikteile erfordern allesamt Bergbau und Fabriken auf der Basis fossiler Energie. Und die Komponenten der technischen Ausrüstung werden von weit her zu den Häfen mit Lastwagen transportiert ... Das führt uns zur Frage zurück, ob diese Systeme ohne die für ihre Produktion erforderliche Basis einer Öl- und Kohlewirtschaft existieren können ... Sonnen- und Windenergie können deshalb als Beiwerk der fossilen Ökonomie betrachtet werden ... Die Industrieländer werden die gesamte Infrastruktur für alternative Energieerzeugung bereits zur Verfügung haben müssen, lange bevor dieses unterstützende Hintergrund wegbricht.“ (J.H.K.)


Wasserstoff


„Nutzbarer Wasserstoff muss aus Kohlenwasserstoffen wie Erdgas oder Kohle hergestellt werden ... oder durch Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden ... Die ganze Sache hat aber folgenden Haken: Der Prozess der Wasserstoffproduktion verbraucht prinzipiell mehr Energie, als der gewonnene Wasserstoff später liefern wird. Wasserstoff ist also keine Energiequelle, sondern ein Energieträger ... Eine Wasserstoffenergie-Infrastruktur müsste ganz anders aussehen als unsere gegenwärtige Energie-Infrastruktur, und deshalb würde die Umstellung viel Zeit und den Einsatz von großen Mengen Geld und Energie erfordern ... Ein noch größeres Problem ist die gegenwärtige und die künftige Abhängigkeit vom Erdgas als Wasserstoffquelle. Die Wasserstoff-Befürworter gehen von einer andauernden reichlichen Verfügbarkeit des Erdgases als 'Übergangsbrennstoff' aus. Ohne eine solche Kohlenwasserstoffquelle ist der Weg in die neue Wasserstoffwirtschaft nicht zu schaffen: Es steht einfach nicht genug Nettoenergie aus erneuerbaren Energiequellen zur Verfügung, um diesen neuen Prozess in Gang zu bringen und gleichzeitig die vorhandene Wirtschaft funktionsfähig zu halten ... Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik legt fest, dass Wasserstoff immer ein Nettoenergieverlierer sein wird, da bei jeder Umwandlung ein Teil der nutzbaren Energie verloren geht ... Angesichts der von vornherein recht niedrigen Nettoenergie aus erneuerbaren Quellen sowie der Nettoenergieverluste bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff und der anschließenden Rückumwandlung von Wasserstoff in Elektrizität kommt man kaum an der Erkenntnis vorbei, dass die von wohlmeinenden Visionären propagierte „Wasserstoffwirtschaft“ notwendigerweise mit weit weniger Energie auskommen muss als die Wirtschaft, die wir bisher gewöhnt sind.“ (R.H.)


„All diese Prozesse der Gewinnung von Wasserstoff sind immer mit einem Energieverlust verbunden ... man erhält (nimmt man alle Methoden im Durchschnitt) eine Energieeinheit für 1,4 zuvor investierte Energieeinheiten ... Dazu kommen viele zusätzliche Probleme ..., die mit Lagerung und Transport zu tun haben. Die extrem niedrige Dichte von Wasserstoff aufgrund seines geringen atomaren Gewichts hat zur Folge, dass er sehr viel Raum einnimmt. In Autos muss er in Hochdrucktanks komprimiert und gelagert werden. Der „Treibstoff“-Tank würde den meisten Platz im Auto beanspruchen. Das Gas zu komprimieren, erfodert selbst wieder eine Menge Energie. Ein Wasserstoffauto mit Brennstoffzellentechnik, das mit einem heutigen Benziner vergleichbar ist, erfordert extrem hohen Druck. Dafür kann man extrem starke Kohlestofffasern zur Verstärkung des Tanks benutzen. Ein solcher Tank überlebt vielleicht sogar einen Zusammenstoß bei hoher Geschwindigkeit. Die Frage ist jedoch, ob die anfälligeren Bleiverbindungen des Tanks standhalten würden. Wenn nicht, würde Wasserstoff sehr schnell unter extremem Druck entweichen. Wasserstoff ist sehr leicht entflammbar ... Wasserstoff wirft noch zwei weitere Probleme in Bezug auf den Tank auf. Zunächst: Er entweicht sehr leicht ... Aufgrund seines extrem niedrigen atomaren Gewichts kann er durch sehr kleine Öffnungen entweichen ... Wasserstoff ist auch sehr korrosionsaggressiv. Es verbindet sich leicht mit anderen Elementen und Molekülen Das Innere der Tanks, Rohrverbindungen, Ventile und Verschlüsse wären alle einem viel rascheren Zerstörungsprozess ausgeliefert, als dies bei Gas wie etwa Methan der Fall ist. Im Unterschied zu Benzin, das bei normalen Außentemperaturen flüssig ist, sind komprimierte Gase schwer von einem Behälter in einen anderen zu transportieren. Um Wasserstoff von der Tankstelle in den Autotank zu bekommen, wäre zusätzliche Energie erforderlich ... Eine andere Problematik stellt der Transport von Wasserstoff zu einem Netz von Tankstellen dar, das dem vergleichbar ist, das für das heutige System des Individualverkehrs entwickelt wurde. Benzin wird zu den Tankstellen von Tanklastwagen ohne Kompression transportiert. Flüssiger Wasserstoff müsste in Tankwagen mit extrem hohem Druck transportiert werden. Ein Vierzigtonner kann 25 Tonnen Benzin transportieren. Da Wasserstoff so leicht ist, könnte ein vergleichbar großer Tanklastwagen nur eine halbe Tonne Wasserstoff transportieren. Der relative Energieverbrauch des Tanklastwagens im Verhältnis zur Energie, die er transportiert, würde Wasserstoff bei fast jeder Entfernung unwirtschaftlich machen. Bossel und Eliason schreiben dazu: 'Eine durchschnittlich große Tankstelle an irgendeiner viel befahrenen Autobahn verkauft jeden Tag 25 Tonnen Treibstoff. Dieser Treibstoff kann von einem Vierzigtonner transportiert werden. Doch es wären 21 Wasserstofftanklastwaen erforderlich, um dieselbe Menge an Energie zur Tankstelle zu transportieren, das heißt um für dieselbe Anzahl von Autos den Treibstoff zu liefern. Effiziente Brennstoffzellenautos würden dieses Zahlenverhältnis etwas verändern, aber nicht wesentlich. Der Transfer von komprimiertem Wasserstoff vom Tanklastwagen zur Tankstelle erfordert mehr Zeit, als Benzin vom Tanklastwagen in einen unterirdischen Speicher zu verbringen. Die Tankstelle müsste aus Sicherheitsgründen für einige Stunden am Tag den Betrieb einstellen. Heute ist einer von 100 Lastwagen ein Benzin- oder Dieseltransporter. Wenn man Wasserstoff über die Straßen transportiert, dann wären 21 von 120 Lastwagen (das entspricht 17%) Wasserstofftankwagen. Einer von sechs Unfällen mit Lastwagen würde einen Wasserstofftransporter betreffen Diese Szenario ist politisch und gesellschaftlich inakzeptabel.'“ (J.H.K.)


Wasserkraft


„Gegenwärtig werden ungefähr 9 Prozent der Elektrizität in den USA durch Wasserkraft erzeugt (in Deutschland etwa 3,6 Prozent), was ungefähr der Hälfte des in Atomkraftwerken produzierten Stroms entspricht (in Deutschland etwa ein Achtel). Andererseits ist das die dreifache Menge der von allen anderen erneuerbaren Energiequellen zusammen erzeugten Elektrizität (in Deutschland etwa die gleiche Menge). In der ganzen Welt sorgt die Wasserkraft für 19 Prozent der Stromherstellung ... Die Stromerzeugung aus Wasserkraft hat einen attraktiven EROEI. H.T. Odum gibt der Wasserkraft eine Nettogewinnrate von 10, während C.J. Cleveland et al. ihr 11 zuweisen. Die Wasserkraft ist somit gegenwärtig einer der besten Produzenten von Nettoenergie ... Aber in vielen Regionen der Welt – und besonders in den Industrieländern – wird sie schon so gründlich ausgebeutet, dass eine Ausweitung nahezu unmöglich erscheint.“ (R.H.)


Erdwärme


„Weniger als ein Prozent der Weltelektrizitätserzeugung stammt aus geothermischen Quellen. Nach Odums Berechnungen könnte der Erdwärmestrom im Moment sogar einen höheren EROEI haben als Erdöl ... Jedoch gestatten viele geographische Standorte nicht, diesen hohen Nettoenergiegewinn des Erdwärmestroms zu erreichen ... Es gibt sogar eine Debatte darüber, ob der Erdwärmestrom tatsächlich eine erneuerbare Energiequelle darstellt. Wenn man nämlich unterirdischen Dampf und heißes Wasser zum Antrieb von Turbinen nutzt, werden diese beiden Ressourcen tatsächlich allmählich aufgebraucht. Der Zeitraum, nach dem die Erschöpfung dieser Vorräte ein solches Ausmaß erreicht, dass sich eine kommerzielle Nutzung nicht mehr lohnt, wird für die meisten geothermischen Felder auf 40 bis 100 Jahre geschätzt. Zwar regenerieren sich diese Felder im Laufe einiger Jahrhunderte oder Jahrtausende von selbst, aber dies nützt der nächsten Generation natürlich überhaupt nichts. Im Geysers-Feld in Nordkalifornien versucht man, die unterirdischen Reservoire mit geklärtem Abwasser aus der Stadt Santa Rosa wieder aufzufüllen .. Sollte es gelingen, könnte diese Methode die Erdwärmekraft zu einer erneuerbaren Energiequelle machen, obwohl Infrastruktur und Betriebskosten des Wiederauffüllungsprozesses den EROEI .. deutlich verringern würden.“ (R.H.)


Gezeiten und Wellen


„Für Gegenden mit einem Tidenhub von 7,50 m errechnete Odum einen EROEI von 15 – der höchste Nettogewinn unter allen von ihm untersuchten Quellen. Jedoch verringert sich dieser Energievorteil beträchtlich, wenn man den Rückgang der Küstenfischerei mit einrechnet, den man dabei in Kauf nehmen muss. Gezeitenenergie ist erneuerbar, sauber und wirtschaftlich. Leider gibt es in der ganzen Welt weniger als zwei Dutzend für Gezeitenkraftwerke optimal geeignete Stellen, von denen die meisten in abgelegenen Gebieten wie Nordwest-Russland oder Nordwest-Kanada liegen.“ (R.H.)


Biomasse, Biodiesel und Ethanol


„David Pimentel ... hat eine gründliche Nettoenergieanalyse des Ethanols durchgeführt und dabei herausgefunden, dass ein Hektar Mais durchschnittlich etwa 3070 l Ethaol erbringt. Man braucht allerdings etwa 10.000 l fossile Brennstoffe, um diese Menge an Mais anzupflanzen, wachsen zu lassen und zu ernten. Zum Destillieren des Ethanols ist zusätzliche Energie erforderlich. Im Ganzen sind etwa 36.000 kJ nötig, um einen Liter Ethanol herzustellen, der aber nur einen Energiewert von 21.200 kJ hat. Dies gibt dem Ethanol einen EROEI von ungefähr 0,59, was einen Energienettoverlust von 41 Prozent bedeutet ... Wollte man ... die gesamte US-amerikanische Autoflotte mit reinem Ethanol betreiben, brauchte man ... fast die gesamte Landesfläche, um darauf die nötigen Pflanzenmengen anzubauen. Es bliebe nicht einmal genug Land übrig, um die amerikanische Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen, geschweige denn, sie zu ernähren.“ (R.H.)


„Die Aussagen zur Verwendung von Biomasse beruhen voll und ganz auf der Voraussetzung eines fossilen Energiesystems im Hntergrund, besonders, was landwirtschaftliche Abfallprodukte wie Getreidehalme betrifft, die unter den Bedingungen einer industrialisierten Landwirtschaft gewachsen sind, die große Mengen an Erdöl und Gas für Kunstdünger, Ente und Transport verbraucht ... Wir werden mit Sicherheit in Zukunft auf eine bestimmte Form von Biomasse zurückgreifen müssen, aber nicht in irgendeiner Weise, die etwas mit den Phantasien der technischen Experten in Konzernen und der Umweltbewegung zu tun hat. Das heißt, wir werden wahrscheinlich eine Menge Holz verbrennen müssen, um in der nördlichen Hemisphäre für die nötige Wärme zu sorgen. Das bedeutet, dass viele von uns in den hochentwickelten Industrieländern in gewisser Hinsicht zu vorindustriellen Lebensbedingungen zurückkehren werden.“ (J.H.K.)



Mainz, 23. 6. 2008, Bruno Kern (Initiative Ökosozialismus)