Diskussion

Die Debatte um den Atomausstieg bei uns ist derzeit von einem beispiellosen Zynismus geprägt. Die Ausstiegsbefürworter (zu denen selbstverständlich auch die Initiaitve Ökosozialismus gehört) nehmen in ihrer Mehrzahl einen weiteren Zubau von fossilen Kraftwerken (Gas, aber auch Kohle) und damit einen weiteren Anstieg der Treibhausgase in Kauf. Das gilt für Greenpeace, das Darmstädter Ökoinstitut, das Bundesumweltamt, die Partei DIE LINKE etc. Hier ein Debattenbeitrag (Flugblatt) von Bruno Kern, der für eine radikale Verbrauchsreduktion eintritt, weil der möglichst rasche Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung mindestens ebenso dringend geboten ist wie der Atomausstieg. Nachdruck und Weiterverbreitung des Flugblatts ausdrücklich erwünscht!

Das Projekt Desertec in der Wüste Sahara, ein solarthermisches Kraftwerk riesigen Ausmaßes, das bis zum Jahr 2050 etwa 15% des europäischen Strombedarfs liefern soll, hat in letzter Zeit für kontroverse Diskussionen gesorgt. Wir geben hier einen kritischen Beitrag wieder, der unter anderem auf die ungeheure Materialschlacht hinweist, die ein solches Projekt bedeuten würde, und allein schon von daher seine Machbarkeit in Frage stellt.

 

Der chinesische Autor Minqui Li hat in seinem Buch „The Rise of China and the Capitalist World Economy“ (Pluto Press, London 2008) unter anderen das Ende der kapitalistischen Akkumulation mit der schwindenden Ressourcenbasis, die durch erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz bei Weitem nicht wettgemacht werden kann, begründet. Wir geben hier eine ins Deutsche übersetze leicht gekürzte Fassung des entsprechenden Kapitels wieder.

Wer wie wir vom Ende der Wachstumsgesellschaft und einer notwendigen Schrumpfung der Ökonomie ausgeht, der muss auch all seine konkreten Politikvorschläge daraufhin überprüfen, ob sie damit vereinbar sind oder nicht. Unserer Meinung nach hält zum Beispiel die in linken Kreisen stark befürwortete Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens dieser Überprüfung nicht stand. Sie setzt die Wachstumsgesellschaft, die es zu überwinden gilt. gerade voraus.

Saral Sarkar hat in China über die "Prospects of ecosocialism" referiert. Wir geben seinen Vortrag hier auf Englisch wieder, in der Hoffnung, fass wir bald eine deutsche Version zur Verfügung stellen können.

Die in Zürich erscheinende Zeitschrift Widerspruch hat ihre letzte Nummer dem Thema "Energie und Klima" gewidmet.

 

Die erneuerbaren Energien werden oftmals sehr überschätzt. Zu ihrem tatsächlichen Potential und ihren Grenzen geben wir hier eine Zusammenstellung von Texten aus den äußerst lesenswerten Büchern von S Heinberg und J.H Kunstler wieder.

 

Jürg Steiner entlarvt ins einem lesenswerten Artikel in der Berner Zeitung unter dem Titel "Energien - Der große Mythos vom Sparen" die Illusionen, die in Bezug auf die Energieeffizienzsteigerung in verantwortlungsloser Weise geschürt werden. Er macht deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht weniger als den Abschied von der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft und deren "Wohlstand" bedeutet.

Wolfgang Storz macht in seinem Artikel in der Wochenzeitung Freitag, "Hurra, die Klimakatastrophe wächst" auf die Schizophrenie aufmerksam, der auch Linke und Gewerkschafter unterliegen, wenn sie einserseits für eine nachhaltige Wirtschaftsweise plädieren und andererseits das Wirtschaftswachstum begrüßen.

Marcel Häggi kritisiert in seinem Beitrag "Klimareport - Lauwarme Gesten" in der schweizerischen WOZ die ökonomistische und naiv-technologiegläubige Sichtweise auch so mancher Umwetverbände im Hinblick auf die erforderliche Klimapolitik. Bei dieser Gelegenheit empfehlen wir insgesamt die vielen lesenswerten Beiträge im Dossier Klima - Energiepolitik der WOZ

James Howard Kunstler hat in seinem Buch "The long Emergency" ("Der lange Notstand") aus dem Blickwinkel der US-amerikanischen Lebensumstände deutlich gemacht, dass das Ende des fossilen Zeitalters einen radikalen Zivilisationsbruch bedeutet. Wir bringen hier einen Auszug aus seinem Buch in deutscher Übersetzung.

Helmut Haberl vom Institut für soziale Ökologie in Wien macht im hier wiedergegebenen Interview darauf aufmerksam, dass auch erneuerbare Energien nicht beliebig expandierbar sind und dass deshalb das Ende des fossilen Energiezeitalters auch unsere bisherigen Lebensmuster und die Industriegesellschaft insgesamt zur Disposition stellt. Die Aussagen in seinem Beitrag, die uns - aus dem Mund eines sicher unverdächtigen, weil keineswegs radikalen Zeugen - besonders interessant erscheinen, haben wir fett wiedergegeben.

Malte Kreuzfeldt machte in einem Artikel in der taz unter der Überschrift "Mut zum Verzicht" klar, dass die derzeitige Diskussion um verbrauchsärmere Autos sehr verkürzt ist, dass es vielmehr um eine Abkehr von der Automobilgesellschaft gehen muss, um  ein neues Verkehrssystem und ein anderes Verhältnis zur Mobilität insgesamt. Wir teilen diese Ansicht. Wenn es insgesamt um eine CO-2-Reduktion um 90%, also auf 10% des derzeitigen Ausstoßes, geht, dann ist schon rein rechnerisch klar, dass das 3-Liter-Auto kein hinreichender Beitrag sein kann. Dabei ist nur der Betriebsverbrauch angesprochen, von der Produktion erst einmal ganz zu schweigen ....

Derzeit feiert die Kohle eine ungeahnte Renaissance. Mit ihrer Hilfe soll versucht werden, das unabwendbare Ende des fossilen Zeitalters hinauszuzögern. Wir halten den Widerstand dagegen für immens wichtig (s. auch unsere Rubrik "Aktionen und Termine"). Zum Mythos der sauberen Kohle verweisen wir hier auf den Beitrag von Uwe Witt, Clean Coal - Kohlekraftwerke ohne Klimafrevel?

Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar, Träger des Alternativen Nobelpreises, SPD-Politiker und hierzulande der prominenteste Verfechter der Solarenergie, hat im Juni 2006 in der deutschen Ausgabe von "Le monde diplomatique" den viel beachteten Beitrag "Die postfossile Zukunft" veröffentlicht. Wir haben gegen diesen Solarenthusiasmus sehr grundsätzliche Einwände. Als Replik auf Hermann Scheer geben wir hier einige Passagen aus Saral Sarkars Buch "Die nachhaltige Gesellschaft" wieder.

Der Solarförderverein Deutschland hat eine Kampagne gestartet mit dem Ziel, dass unsere Energieversorgung auf 100% Erneuerbare umgestellt wird. Die Frage nach dem Gesamtniveau unseres Energieverbrauchs, das dann noch möglich sein wird, und nach den unausweichluchen Folgen für Ökonomie und Gesellschaft wird dabei ausgeklammert. Wir haben dazu in einer Replik Stellung genommen.

 Zur aktuellen Diskussion um die Rolle von Biomasse zur Treibstoffgewinnung geben wir hier mehrere Beiträge wieder:

Unter dem Titel Sprit vom Acker. Fünf Mythen vom Übergang zu Biokraftstoffen entlarvt der französische Experte Eric Holt-Giménez die Mär von der angeblich guten CO-2-Bilanz der Biokraftstoffe und zeigt die Grenzen ihres Einsatzes angesichts des enormen Flächenverbrauchs auf. Almuth Ernsting zeigt in ihrem sehr lesenswerten Beitrag Der globale Plan einer Biomassen-Wirtschaft auf, welch absurde Blüten der Glaube an den angeblich nachhaltigen Biodiesel treibt und mit welcher kolonialistischen Haltung die entsprechenden Pläne vorangetrieben werden.   Weiters geben wir hier den Beitrag "Brot statt Sprit" des langjährigen Europaparlamentariers Friedrich-Wilhelm Gräfe zu Baringdorf und Hannes Lorenzen, eine Kurzfassung des entsprechenden Kapitels in Saral Sarkars grundlegendem Buch "Die nachhaltige Gesellschaft", sowie den Artikel "Trügerischer Schein" aus dem Regenwaldreport 3/2006 wieder. Lateinamerikanische Umweltgruppen haben unter dem Titel Menschen ernähren, nicht Autos, an die EU appelliert, nicht weiter auf Biosprit zu sezten. Sie fürchten unmittelbare Auswirkungen auf die Ernährungssituation ihrer Bevölkerung. Imselben Sinne plädiert Norbert Suchanek in seinem Beitrag Brasilien im Alkohol- und Biodieselrausch. Einige konkrete Nachrichten aus der letzten Zeit bestätigen unsere grundsätzlichen Einwände gegen den Biospritboom: Kampf der Autobesitzer gegen Hungernde; Bioenergie mit Kollateralschaden; Schattenseiten des Biospritbooms. Besonders verweisen wir auf das ausgezeichnete Themenheft der ila (Nr. 304, April 2007) unter dem Titel "Agrotreibstoffe". In ihre letzte Ausgabe hat die ila einen Beitrag von Laura Carlsen aufgenommen, der unter dem Titel Die Agrotreibstoff-Falle das Zusammenspiel von Politik, Großkonzernen, Finanzinvestoren und Medien bei der Durchsetzung dieses neuen Marktes zum Schaden der Umwelt und der Ernährung der Menschen beleuchtet. Und der Wahnsinn geht weiter: Angesichts der Grenzen der Ausbeutung herkömmlicher Energiepflanzen (Zuckerrohr, Mais ..) forscht man an Verfahren, die Zellulose aus Bäumen zu nutzen. Dabei wird auch vor gefährlichen gentechnischen Experimenten nicht halt gemacht. Darüber informiert der Beitrag Agrotreibstoffe: die zweite Generation aus der Zeitschrift ila (310, November 2007).

 

Ulrike Herrmann setzte sich vor Kurzem in der "tageszeitung" mit einigen jüngst erschienenen politischen Sachbüchern auseinander. Unter dem Titel "Das Ende der Kartoffellogik" kritisiert sie - ganz auf unserer Linie - den herrschenden Keynesianismus, der als Alternative zum Neoliberalismus allein schon aus ökologischen Gründen nicht taugt.

Anatol Lieven, Forschungsbeauftragter bei der New American Foundation in Washington, hat im Herald Tribune einen Beitrag mit dem Titel Das Ende der westlichen Welt, wie wir sie kennen, geschrieben. Er wurde von Jürgen Boshalt und Saral Sarkar ins Deutsche übersetzt. Wir geben ihn hier als Diskussionsbeitrag wieder, obwohl er natürlich nicht völlig unsere eigene Meinung widerspiegelt. Vor allem die unterstellte Gleichsetzung von Demokratie und Kapitalismus können wir nicht mitvollziehen. Imerhin macht Lieven auf die wahre Dimension des Klimawandels aufmerksam. Im Gegensatz zu so vielen Zweckoptimisten hierzulande, die meinen, man müsse bloß die Technik austauschen, Wohlstand und Wachstum würden sich durch erneuerbare Energien und Effizienztechniken sogar noch vermehren, weist Lieven auf den Zivilisationsbruch hin, der uns bevorsteht. Und selbst aus seiner - nicht gerade sozialistischen - Sicht ist der Klimawandel "das größte und weitreichendste Marktversagen, das die Welt je gesehen hat".

Der an der Pariser Sorbonne lehrende Religionswissenschaftler Michael Löwy hat sein Konzept von Ökosozialismus in seinem Beitrag "Überleben statt Profit" vorgestellt. Saral Sarkar macht in seiner Replik auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu unserem Verständnis von Ökosozialismus aufmerksam.